Gesundheitszentrum für Flüchtlinge (GZF) gegründet

11. Juli 2016

Die PIBB – Psychiatrie Initiative Berlin Brandenburg hat gemeinsam mit XENION e.V. ein Gesundheitszentrum für Flüchtlinge (GZF) gegründet, das als psychosoziale Einrichtung mit einer fachlich-medizinischen ständigen ärztlichen Leitung als Anlaufstelle fungieren soll um die medizinische und explizit psychosoziale sowie psychiatrisch – psychotherapeutische Versorgung für vertriebene, gefolterte und traumatisierte Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund zu gewährleisten.

XENION besteht seit 1986, seit 2008 ist XENION Fachstelle für die Früherkennung von Psychotrauma bei neu ankommenden Flüchtlingen, insbesondere bei jugendlichen Flüchtlingen in Berlin. Aufgrund der hohen Neuzugangszahlen an Flüchtlingen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, dem Bezirk, in dem auch XENION verortet ist, engagieren sich seit 2014 ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger in einem Willkommensbündnis. Darunter sind auch mehr als 50 klinisch tätige Freiwillige (PsychiaterInnen, PsychotherapeutInnen, PädagogInnen), die sich in einem Netzwerk zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen im Bezirk zusammengeschlossen haben. Unter Koordination und Leitung des bezirklichen Gesundheitsamtes wird der Einsatz der ehrenamtlichen KlinikerInnen von XENION fachlich betreut. Zurzeit sind bereits in allen 15 Gemeinschafts- und Notunterkünften im Bezirk feste ehrenamtliche Teams etabliert, die offene psychosoziale Sprechstunden, Gesprächsgruppen zur Orientierung und Stabilisierung für Geflüchtete vorhalten. Dieser aufsuchende Ansatz und insbesondere die offenen Sprechstunden sind zentrales Instrument der Früherkennung psychischer Belastungen und besonderer Schutzbedürftigkeit bei Geflüchteten und Schnittstellen für die Planung weiterführender Versorgung. Die Die Angebote erfolgen unter Einsatz von Dolmetschern und Sprachmittlern. Des Weiteren wurden aus dem Kreis der Ehrenamtlichen auch Einzeltherapien für Geflüchtete übernommen, wenn die Kosten aus Aufenthaltsstatusgründen nicht durch die Regelgesundheitsversorgung getragen werden.

Die Dienstleistungen und Aktivitäten von XENION lassen sich wie folgt zusammenfassen:

a) Früherkennung besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge in Berlin im Rahmen des Berliner Netzwerkes für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge (BNS) als Fachstelle für traumatisierte Flüchtlinge sowie Kinder und Jugendliche.

b) Ausbau von Rehabilitationsmöglichkeiten und psychosoziale Gesundheitsversorgung für Überlebende von Folter und schweren Menschenrechtsverletzungen sowie ihren Familien im Exil in Deutschland.

c) Qualifizierung anderer Leistungserbringer im Gesundheitsbereich, Entscheidungsträger und Multiplikatoren, die mit Folteropfern professionell befasst sind für den angemessenen Umgang mit der Zielgruppe sowie die Sensibilisierung für ihre Belange

d) Verbesserung des Schutzes von Folteropfern und Überlebenden von schweren Menschenrechtsverletzungen vor weiterer Verfolgung und Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz gegenüber traumabedingt erkrankten Flüchtlingen und Opfern von Menschenrechtsverletzungen

Die psychotherapeutische Beratungsstelle XENION ist im Laufe ihres 30-jährigen Bestehens zu einer Institution für die Flüchtlingsversorgung in Berlin geworden, die vergleichbare Funktionen für Flüchtlinge übernimmt wie eine Kontakt- und Beratungsstelle für die Versorgung deutscher psychisch Erkrankter einschließlich eines eigenen auf die speziellen Bedürfnisse traumabedingt erkrankter Flüchtlinge zugeschnittenen ambulanten psychotherapeutischen Angebots. Sie übernimmt wichtige Clearing- und Schnittstellenfunktionen in das Regelgesundheits-versorgungssystem Die Gründung der GZF gGmbH durch die beiden Gesellschafter XENION und PIBB soll in erster Linie die Kapazität der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgungsleistungen durch Einbringen des Ärzte- und Psychotherapeutennetzwerkes der weiteren Gesellschafterin der Gesellschaft, die PIBB Berlin- Brandenburg, verstärken. Damit wird auf den zunehmenden Versorgungsengpass durch die enorm gestiegenen Flüchtlingszugangszahlen reagiert. XENION hat als Mitgesellschafter seine Erfahrungen und die o.g. Dienstleistungen in das GZF mit eingebracht. Hierzu gehört auch die Kontaktaufnahme, das Clearing und die notwendigen rechtlichen und sozialen Kontextarbeiten, einschließlich die Dolmetscherakquise und -Schulung, ohne die eine adäquate, ganzheitliche Behandlung von Flüchtlingen schwer durchführbar ist und sichert dem GZF damit Entlastung der Behandlungsarbeit und Effizienz zu. Über die weitere Gesellschafterin, die PIBB, werden die entsprechenden Fachärzte, Psychotherapeuten sowie weitere psychosoziale Behandlungsbereiche eingebracht.

Die PIBB steht mit ihrem von der KV Berlin zertifizierten Ärztenetzwerk seit 2008 für die sektorenübergreifende ambulante Versorgung psychisch und psychosomatisch Erkrankter. Sie führt traditionell separat organisierte Versorgungsbereiche der Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen, niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten, Pflegedienste, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, medizinische und psychosoziale Einrichtungen in einem Netzwerk zusammen und ermöglicht so sektorenübergreifende Behandlungspfade für PatientInnen mit komplexen individuellen Behandlungsbedürfnissen. Diese langjährigen Erfahrungen bringt die PIBB in die GZF mit ein. Unter Nutzung der Ressourcen des Netzwerks können somit umfassende Therapiekonzepte mit medizinisch-pharmakologischen, (methodenübergreifend-integrativen) psychotherapeutischen, sozialen und pflegerischen Interventionen sowie ergänzende Therapiemaßnahmen Flüchtlingen zugänglich gemacht werden. Damit entsteht erstmals ein Therapieansatz, der auch schwer psychisch erkrankten Flüchtlingen eine adäquate und effektive Versorgung erschließt. Die PIBB ist die Managementgesellschaft des gemeinnützigen Vereins für Psychiatrie und seelische Gesundheit (vpsg). Der vpsg ist aktiv in der psychiatrischen Beratung in religiös-gemeindlichen Kontexten und insbesondere in islamischen Moschee-Gemeinden. Hieraus sich ergebende Kooperationen in der Beratung, Betreuung und sozialen Integration psychisch erkrankter Flüchtlinge werden bereits seit Jahresbeginn praktiziert .


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